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Jakob von Recklinghausen

M.A. Philosophie

​Meine Gestalt-Haltung

In der Gestalttherapie stehe ich Dir als Gegenüber auf Augenhöhe zur Verfügung. Im Kontakt von Mens​ch zu Mensch können sich Themen zeigen und bearbeitet werden. Der Unterschied zu einem „normalen“ Gespräch ist die innere Haltung, die ich dabei einnehme: die Gestalt-Haltung. In der Gestalt-Haltung bin ich ein wohlwollendes, wertschätzendes Gegenüber und gleichzeitig komplett offen und authentisch in meinen Reaktionen. Dabei verfolge ich kein Ziel. In der Gestalttherapie gibt es weder Krankheit noch Störung. „Was ist, darf sein. Was sein darf, kann sich verändern“ (Werner Bock) Also geht es nicht darum, Dich zu heilen. Alles, was im Gestalt-Prozess passiert, machst Du selbst. Du bist dabei komplett selbstverantwortlich. Alles, was ich tue, ist, Dich zu spiegeln, mich als Mensch mit meinen Gefühlen, Bedürfnissen, Wahrnehmungen und Phantasien in Kontakt zu bringen. Dabei geht es immer um Dich. Ich sehe Dich. Und doch bin ich nicht dafür da, Deine Bedürfnisse zu befriedigen.

Im gestalttherapeutischen Prozess bist Du mit Deinem gesamten Sein willkommen – mit allen Gefühlen, Gedanken, Bedürfnissen. Dabei geht es immer ums Hier und Jetzt. Alles, was Du an emotionalem Gepäck, an körperlichen Schmerzen, an Glaubenssätzen mitbringst, zeigt sich in der Gegenwart. Und in diesem Sich-Zeigen liegt die Kraft der Veränderung. Was Du ans Tageslicht kommen lässt, kann dort unter dem Glanz der Sonne schmelzen. Meine Rolle ist es lediglich, einen Raum zu schaffen, in dem Du Dich sicher und gesehen fühlst und dich darin wohlwollend und ohne Bewertung zu begleiten. Ich bin dabei berührbar und achte meine Grenzen, so wie ich Deine Grenzen respektiere. Ich habe im Prozess nichts zu gewinnen oder zu verlieren, sondern bin lediglich im Dienst für Lebendigkeit und Selbstverantwortung.

In der Gestalttherapie arbeiten wir nie ohne Auftrag. Das heißt, dass in einer Session immer so viel bewegt werden kann, wie Du bereit bist, zu bewegen. Ich werde Dir nicht sagen, was Du tun sollst oder Dir irgendwelche Ratschläge geben. Wenn Du vor einem Thema ausweichst und in Widerstand gehst, werde ich Dir das spiegeln, aber ich werde nicht versuchen, Dich dahin zu drängen. Wenn ich glaube zu wissen, was bei Dir passiert, werde ich das, falls ich glaube, dass es dem Prozess dient, als meine Phantasie transparent machen, aber nicht versuchen, es Dir als Wahrheit überzustülpen.

In der Gestalttherapie kennen wir keine Limits, was sich im Prozess für Themen, Muster und Schmerzen zeigen dürfen. Wir vertrauen auf die organismische Selbstregulation. Das heißt, dass nur solche Themen und Schmerzmuster zutage treten, für die der Klient bereit ist, damit umzugehen, und für die der Therapeut bereit ist, Raum zu halten. Das bedeutet für mich als Therapeut, dass ich ständig im persönlichen Entwicklungsprozess bin, um alles, was sich angestaut hat, in den Fluss zu bringen. Ich stelle mich allen Gefühlen, achte meine Grenzen, stehe für meine Bedürfnisse ein. Denn nur so kann ich ein Gegenüber sein, das Dich in Deiner persönlichen Entwicklung zu Selbstverantwortung und Lebendigkeit begleitet. Und das bedeutet auch, dass nicht jede Sitzung in Harmonie und Glückseligkeit endet. Ich vertraue dabei dem großen Ganzen, dass alles zu einem bestimmten Grund passiert. Sobald ich am Ende der Sitzung versuche, etwas rund zu machen, würge ich den Prozess ab. Und das wäre Zeitverschwendung.

Du bist in der Gestalttherapie richtig, wenn Du etwas in Deinem Leben verändern möchtest, Dich hin zu mehr Lebendigkeit und Selbstverantwortung entwickeln willst. Du bist genauso richtig, wenn es Dir einfach geil oder scheiße oder beides geht und Du gar nichts willst. Denn alleine Deine Motivation, diesen Text zu lesen, einen Termin zu vereinbaren und den Weg in die Praxis zu machen, zeigt, dass etwas in Dir ans Licht möchte. Und da wir in der Gestalttherapie ohne gut und schlecht arbeiten, ist es weder besser noch schlechter, wenn Du Dich dafür entscheidest, den Gestaltweg zu gehen. Es ist einfach eine Möglichkeit unter unendlich vielen.

Ich persönlich bin sehr froh, diesen Weg zu gehen. Das Leben fühlt sich dadurch direkter, lebendiger, präsenter an. Ich hänge weniger im Kopf rum und der Kontakt zu meinen Mitmenschen ist transparenter. Auch folge ich weniger irgendwelchen Mustern und Glaubenssätzen und projeziere weniger auf meine Mitmenschen. Und es ist ein Weg, den ich immer noch gehe. Was ich oben beschrieben habe, ist eine Haltung, die ich versuche einzunehmen. Dabei bin ich immer noch Mensch mit Macken und Kontaktstörungen wie jeder andere auch.

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